Wächter der Tiefe

Und doch – was wäre, wenn wir hinhören, wenn wir tiefer gehen, wenn wir uns mit unseren Schatten verbinden, ihnen Gehör schenken, unseren inneren Dämonen ein Gespräch anbieten, sie fragen, worum es geht, was sie brauchen. Vielleicht ist es die Liebe, die Zuwendung, die sie suchen, um ein System zu beruhigen, das unter Spannung steht, irrational handelt, Spuren hinterlässt, die wir der Finsternis zuschreiben – nur, um endlich gehört zu werden. Es ist der Ruf aus der Tiefe, aus den dunkelsten Kammern unseres Seins, aus Räumen, die wir für immer verschlossen glaubten, und doch klopfen sie, flüstern oder schreien, bis wir bereit sind, uns ihnen zuzuwenden.

So traf ich eines der geerdetsten Wesen, denen ich je begegnen durfte. Indem ich mich öffnete, nahm ich es wahr – schleichend um mich herum, die Luft verdichtend, mir die Macht übertragend, mich in den tiefsten Tiefen zu fühlen. Dort, wo die Materie so schwer wiegt, dass das Schwarz schwärzer ist als jede Dunkelheit, wo der Druck auf der Brust lastet wie eine uralte Erinnerung. Ein Raum, roh und unerbittlich, und doch von einer stillen Größe, denn hier, inmitten des gewaltigen Drucks, entstehen Diamanten – Kristalle der Erkenntnis, der Verwandlung, Schätze von unschätzbarem Wert, geboren aus dem, was wir zu ertragen lernen.

Diese Energie begleitet mich, führt mich durch die Dunkelheit, hält Wache an den Grenzen meiner Angst. Sie ist Gefährte und Schutz, Spiegel und Lehrmeister zugleich, spürt mein Herz, erkennt seine Regungen, noch bevor ich sie selbst verstehe. Und ich gebe ihr meine Liebe, denn sie trägt mich dorthin, wo Licht und Schatten nicht mehr gegeneinander stehen, sondern im Schweigen ineinanderfließen – zu jenem Ort, an dem die tiefste Dunkelheit und das hellste Leuchten denselben Ursprung haben.

In tiefer Dankbarkeit an Susanne, welche mir die Welt der Drachen fühlbar eröffnete.

„Wächter der Tiefe“
Handgeschöpftes Büttenpapier 21,5 x 21,5 cm,
Bleistift, Tusche-Fineliner, Aquarellstift, Blattgold