Geometrie der Schöpfung
Hinter allem Sichtbaren liegt eine Ordnung, die sich zeigt, lange bevor wir Worte für sie finden. In den Zellen eines Blattes, der Spirale einer Muschel, den Proportionen unseres Körpers und den Bahnen der Gestirne kehren Formen wieder, verändern ihre Größe und fügen sich zu neuen Strukturen. Ein Kubus steht für sich und trägt zugleich den Raum in sich, aus dem er hervorgegangen ist. Zahlen und Geometrie machen diese Beziehungen sichtbar. Sie geben einer Ordnung Gestalt, die längst da war, bevor ein Mensch begann, sie zu vermessen.
Auch ein Leben lässt sich aus der Nähe kaum als Ganzes erkennen. Ein Gespräch, eine Entscheidung, ein Bruch – vieles steht lange für sich. Erst mit Abstand rücken Erfahrungen zueinander. Linien setzen sich fort, Begegnungen werden zu Kreuzungen, Wunden öffnen neue Räume. Plötzlich berühren sich Punkte, zwischen denen Jahre liegen. Was einst wie Zufall wirkte, findet seinen Platz. So entsteht aus gelebten Augenblicken eine innere Geometrie, deren Muster wir erst erkennen, während wir es längst durchschreiten.
Wir selbst sind Teil dieser Geometrie. Jeder Schritt zieht eine Linie, jede Begegnung verändert einen Winkel, jede Erfahrung erweitert den Raum. Blatt, Muschel, Mensch und Gestirn tragen ihre eigene Gestalt und stehen zugleich in Verbindung mit etwas Größerem. Das Leben zeichnet weiter, während wir mittendrin stehen. Und erst im Rückblick erkennen wir, dass auch unsere eigene Geschichte Teil einer Zeichnung ist, deren Ganzes unseren Blick übersteigt.
„Geometrie der Schöpfung“
Handgeschöpftes Büttenpapier 21,5 x 21,5 cm,
Fine-Art-Druck auf Canon Pro-300, Bleistift, Tusche-Fineliner, Aquarellstift, Acrylfarbe, Blattgold


