Suchtdruck XV/XV

So fühle ich es bis heute: Ich habe mich aus dem System herauskatapultiert – und bin ihm näher als je zuvor. Damals, in meiner Phase des Konsums, war ich der Störer, der Sprenger, der sich auflehnte. Ich war der Schatten, der sich gegen das Licht warf. Heute fließe ich mit dem Strom – aber ich gehöre ihm nicht. Ich bin nicht Teil der rastlosen Feierkultur. Nicht Teil der Angstspirale. Nicht Teil der urteilenden Stimmen, die sich selbst vergessen haben. Ich bin abseits. Und genau darin bin ich frei.

Ich habe mir mein eigenes Bild geschaffen. Kein Bild aus Überzeugung, sondern aus Begegnung. Je näher ich zu mir kam – zu meinem Kern, zu meinem Herzen – desto klarer wurde mir: Wir sind alle verbunden. Nicht metaphorisch. Nicht spirituell flüchtig. Sondern existenziell. Auf einer höheren Ebene, jenseits des Sichtbaren, sind wir eins. Mensch mit Mensch. Wesen mit Wesen. Natur mit allem, was lebt. Diese Erkenntnis kam als Erfahrung. Als feine Energie, die mich durchzog, wenn ich im Wald stand. Wenn ich meine Kinder ansah. Wenn ich in den Augen eines Fremden das Erkennen sah.

Und so begann mein wahres Abenteuer: die Reise durch mein inneres Königreich. Ein Ort, der nicht gebaut, sondern erinnert wird. Kein Palast, sondern ein lebendiges Herz. Und ich sah dort, was ich früher nie sehen konnte: Dass am Anfang und am Ende aller Dinge die Liebe steht. Dass das Herz nicht nur schlagen, sondern sich verbinden will. Dass alles, was wir abkapseln, abspalten, unterdrücken – nicht fort ist, sondern wartet. Auf Rückkehr. Auf Berührung. Auf Heilung.

Dies hier ist vielleicht mein kleines, persönliches Manifest. Nicht als Rat. Nicht als Anleitung. Sondern als Ruf an jene, die ihn hören können. An jene, in denen etwas flüstert – Da ist mehr. Da ist ein Weg hinaus. Da ist ein Weg hinein. An die, die das Gefühl kennen, sich zu befreien, ohne zu wissen, wohin. Ich sage: Es ist möglich. Ja. Es ist möglich, sich zu befreien. Mit Hilfe. Mit Zeit. Mit Geduld. Mit Tränen. Mit Wut. Mit Rückschlägen. Und mit der Arbeit an dem, was oft am lautesten spricht: dem eigenen Verstand.

Denn hinter allem, was laut ist, wartet etwas, das still ist. Und in dieser Stille liegt das Herz. Die Liebe. Die bedingungslose Rückverbindung. Zu allem – aber in erster Linie: zu sich selbst.

„Suchtdruck XV/XV“
Handgeschöpftes Büttenpapier 21,5 x 21,5 cm,
Bleistift, Tusche-Fineliner, Aquarellstift, Blattgold