Herzflüstern
Oft bin ich über die Frage gestolpert, wie ich mich meinem Herzen zuwende. Wie kann ich immer von Liebe sprechen, wenn ich selbst nicht fühle, was sie bedeutet? Wenn ich von Verstand und Herz spreche, von Angst und Liebe – was ist dann diese Liebe, die mir so vieles verspricht, die Lösung aller Wege, aller Prozesse, allen Schmerzes, den ich in mir trage? Wenn das Herz der Schlüssel ist, das Zentrum, und die Liebe der Fluss, der alles heilt, wie gelange ich dann dorthin, in dieses Zentrum?
Vielleicht darf ich ausholen, denn dieser Weg ist kein schneller. Er kennt kein Ziel, nur das Gehen. Eine Herzöffnung, die den Eintritt in diesen inneren Raum erlaubt – das Fühlen, das Hören der leisen Stimme – ist ein Moment, der sich auf dem Weg einstellt, manchmal unerwartet, manchmal nach langer Suche. Denn bei den meisten von uns beginnt dieser Weg damit, dass wir unser Herz zugemauert haben. Wir wollten es schützen, und in diesem Schutz entfernten wir uns von ihm. Mauern wuchsen, Schichten legten sich über die zarte Mitte. Und so verlernten wir vielleicht, was es heißt, wahrlich zu lieben, im Herzen zu wohnen.
Wir hielten unsere Empfindsamkeit verborgen, vertrauten sie dem Verstand an, der leichter erklären kann, warum etwas so und nicht anders ist. So verloren wir Stück für Stück den Glauben an die Kraft des Herzens, an die Macht der Liebe. Auch ich begann einst so. Ich sagte, ich trüge ein Herz aus Eis, denn manche Entscheidungen waren ohne jedes Mitgefühl. Doch das Leben lehrte mich, und Begegnungen öffneten Risse in dieser Kälte. Da war die erste Liebe, die ich nicht zu halten wusste, und erst der Abschied ließ mich erkennen, was ich besessen hatte. Mit dem Bruch kam der Schmerz in der Brust. Und mit ihm die Erkenntnis, dass Schmerz der Ort sein kann, an dem sich eine Tiefe öffnet, die zu erkunden sich lohnt.
So beginnt der Weg mit dem Erkennen, dass wir vieles vor unser Herz stellen – Geschichten, Schutz, Vergessen. Die Liebe, die von den ersten Tagen an in uns wohnt, wird überdeckt, bis wir kaum noch spüren, dass sie da ist. Doch diese Erkenntnis wird zum Schlüssel: Wir können beginnen, Schicht um Schicht zu lösen, wie bei einer Zwiebel – Träne um Träne. Je tiefer wir schälen, desto feiner werden wir, desto empfänglicher. Und dieser Prozess endet nicht. Er ist ein stiller Begleiter, der uns durchs Leben führt, und in seinem Flüstern ruft er uns immer wieder heim – in das Herz, das wir einst verschlossen und das nun bereit ist, uns wieder aufzunehmen.
„Herzflüstern“
Handgeschöpftes Büttenpapier 21,5 x 21,5 cm,
Fine-Art-Druck auf Canon Pro-300, Bleistift, Tusche-Fineliner, Aquarellstift, Blattgold


