Eine Geschichte vom Aufstieg VII/VIII
„Vereinigung – Eintritt in die geheilte Dualität“
Durch meine Herzkammer trete ich in einen Raum, der weniger Ort als Ordnung ist. Linien erscheinen, fein und präzise, als würde der Raum selbst schreiben. Drei Punkte leuchten auf und verbinden sich: Kraft, Schöpfung, Bewusstsein. Zwischen ihnen spannt sich ein Feld, ruhig und tragfähig. Gold vibriert in der Tiefe, Silber antwortet aus der Höhe, und im Zusammenspiel entsteht ein Zentrum, in dem alles zusammenfindet. Mein Atem wird zeitlos, in beide Richtungen zugleich, nach innen wie nach außen, und mit ihm ordnet sich mein Inneres. Gegensätze stehen einander nicht mehr gegenüber, sie beginnen, sich gegenseitig zu tragen.
In dieser grenzenlosen Weite lösen sich Formen, Mosaike aus Licht, die sich bewegen und zugleich ruhen. Zwei Kois erscheinen, einer hell, einer dunkel, geboren aus reiner Geometrie. Sie kreisen umeinander, geführt von einer Kraft, die sanft und bestimmt wirkt. Ihre Bahnen ziehen sich enger, Spirale um Spirale, bis sie sich begegnen. In diesem Moment verdichtet sich der Raum. Die Zeit hält inne. Es gibt nur das Jetzt. Bewegung und Ruhe fallen zusammen. In mir geschieht dasselbe. Tun und Sein, Innen und Außen, Nähe und Weite finden ihren gemeinsamen Kern. Einheit zeigt sich als lebendiges Gleichgewicht, wach und gegenwärtig.
Aus dieser Einigung von Licht und Schatten, Yin und Yang, dem weiblichen und dem männlichen Prinzip sammelt sich Kraft, bereit, Gestalt anzunehmen. Ich knie in diesem heiligen Raum, der mein tiefstes Sein widerspiegelt, lege die Hände auf den Boden und spüre, wie sich Klarheit und Weite in mir ausbreiten. Freiheit zeigt sich als innere Ordnung. Was in mir gereift ist, sucht nun Ausdruck im gelebten Dasein. Mein Atem trägt diese Klarheit nach außen, und der Wind nimmt sie auf, verteilt sie als leise Einladung. Verantwortung wächst aus innerer Reife. Handlung entsteht als stimmige Antwort auf das Erkannte. Schritt für Schritt nimmt Verkörperung Gestalt an. Präsenz wird tragend, der Blick ruhig. Die Dualität in mir ist verbunden. Aus dieser Einheit heraus öffnen sich die Wege.
„Eine Geschichte vom Aufstieg VII/VIII“
Handgeschöpftes Büttenpapier 21,5 x 21,5 cm,
Bleistift, Tusche-Fineliner, Aquarellstift, Blattgold


