Eine Geschichte vom Aufstieg III/VIII
„Stille – Ausrichtung im Herzraum“
In der Anbindung an die Quelle verlangsamt sich die Bewegung. Als reiner Kanal klingt der Strom in mir nach, während die Geräusche der Welt sich lösen wie fernes Wetter. Wahrnehmung wird fein, weit und wach. Stille erscheint als tragender Raum, in dem sich Richtung formt. Über meinem Scheitel öffnet sich ein weißer Lotus, leuchtend und ruhig. Er spannt sich zum Himmel und reicht zugleich nach unten, durch feine Kanäle und tiefe Wurzeln bis in die Erde. Körper, Atem und Bewusstsein verbinden sich zu einer einzigen Achse zwischen Himmel und Erde.
Mein Atem findet Ordnung. Jeder Zug bringt Sammlung, jede Pause öffnet Weite. Ich steige in die Blüte und liege in ihrer Mitte, ausgerichtet auf die Sterne. Regungen werden weich, Bewegungen leise, als folgten sie einem inneren Maß. Der Lotus hebt sich weiter, und die Weite wird spürbar wie ein eigener Körper.
Stille zeigt sich als Raum zwischen zwei Herzschlägen. In diesem Zwischenraum beginnt ein neues Hören, jenseits von Gedanken und Benennung. Gedanken ziehen davon, Empfindungen finden ihre natürliche Ordnung. Ich sinke tiefer in den Herzraum, und dort sammelt sich Bewegung, fein, unaufdringlich und bereit. Es ist ein Lauschen auf das, was Form annehmen will.
Die Erkenntnis dieses Schrittes wird spürbar: Wahre Ausrichtung entsteht aus Sammlung. Aus der Ruhe formt sich Richtung, klar und leise. Die Stille trägt, klärt und bereitet vor. In ihr zeichnet sich die nächste Schwelle ab – ein natürlicher Übergang, geboren aus dem Raum, der entstanden ist.
„Eine Geschichte vom Aufstieg III/VIII“
Handgeschöpftes Büttenpapier 21,5 x 21,5 cm,
Bleistift, Tusche-Fineliner, Aquarellstift, Blattgold


