Die Summe seiner Teile

So wie wir am Morgen den Staub von unserer Haut waschen, können wir uns auch innerlich reinigen – die Energien und Anhaftungen, die sich zwischen Körper, Geist und Seele gesammelt haben. Es ist ein stilles, tägliches Ritual, eine bewusste Rückkehr zu uns selbst: Wir nehmen zu uns, was zu uns gehört, und geben liebevoll zurück, was woanders hingehört.

Im Kleinen wie im Großen können wir daran arbeiten, uns unserem Kern immer näher zu kommen. Und wenn ich vom Großen spreche, meine ich jene Teile von uns, die sich dem rationalen Verstehen entziehen. Es sind vielleicht Fragmente unserer Seele, die wir heimholen – Anteile, die in Momenten großen Schmerzes zurückblieben, als die Erfahrung zu schwer war, um sie ganz zu tragen. Diese Splitter warten in der Tiefe, gebunden an vergangene Zeiten und intensive Erlebnisse, bis wir bereit sind, sie wieder aufzunehmen. Auf dem Weg der Ganzwerdung sammeln wir sie nach und nach ein, manchmal verborgen unter Schichten, die sich über Jahre wie Narben gebildet haben.

Gleichzeitig tragen wir Energien in uns, die aus fremden Ursprüngen stammen: aus Begegnungen, Räumen und Ereignissen, die wir durchschritten haben. Manche liegen leicht auf uns, andere sind tief verwoben, fast unmerklich und doch wirksam. Auch sie wollen gesehen, geachtet und in ihre eigene Ordnung entlassen werden.

Dieser Prozess ist Klärung und Rückbesinnung zugleich. Wie ein Lotus, der im Dunkel wurzelt und dem Licht entgegenwächst, nehmen wir das Nährende auf und lassen das Fremde abfließen. Aus der Verbindung von Tiefe und Klarheit formen wir unsere ursprüngliche Gestalt neu. So erkennen wir uns als fühlende, sich wandelnde Wesen, geformt aus Erfahrung, Weisheit und innerem Licht.

In der Vereinigung all unserer Teile offenbart sich, was wir sind: ein lebendiges Ganzes, im fortwährenden Fluss von Heimkehr, Entfaltung und Erblühen.

„Die Summe seiner Teile“
Handgeschöpftes Büttenpapier 21,5 x 21,5 cm,
Bleistift, Tusche-Fineliner, Aquarellstift, Blattgold