Die dunkle Nacht der Seele

Wenn sie anbricht, die dunkelste aller Nächte, verliert die Zeit ihre Bedeutung. Sie dehnt sich über Stunden, Tage oder Monate aus und scheint keinen Anfang und kein Ende zu kennen. Sie dringt bis in die tiefsten Schichten unseres Empfindens vor und berührt jede Faser unseres Daseins. Angst, Wut, Trauer, Aussichtslosigkeit und Verlassenheit entfalten ihre ganze Kraft. Was lange im Verborgenen ruhte, wird fühlbar. In diesen Augenblicken scheint alles, worauf wir unser Leben gegründet haben, seinen Halt zu verlieren. Die Welt verstummt, und mit ihr jede Gewissheit.

Doch diese Nacht erscheint nicht ohne Grund. Sie trägt die Summe all jener Schichten in sich, die sich im Laufe eines Lebens über unser Innerstes gelegt haben. Verdrängter Schmerz, ungelebte Gefühle, alte Wunden und unerfüllte Sehnsüchte drängen mit einer Wucht an die Oberfläche, die sich nicht länger aufhalten lässt. Das Fühlen wird zum Weg. Was einst verschlossen blieb, darf seinen Platz einnehmen und in seiner ganzen Tiefe erfahren werden. Zugleich lehrt uns diese Nacht die Vergänglichkeit, den stetigen Wandel und die Erkenntnis, dass nichts, rein gar nichts, einer absoluten Sicherheit entspricht. Denn unter allem, was das Leben über uns gelegt hat, ruht etwas, das auf diesen Moment gewartet hat.

Wie Ebbe und Flut, wie Tag und Nacht folgt auch das Leben einer Ordnung. Der tiefste Punkt trägt bereits den Morgen in sich, auch wenn sein Licht noch fern scheint. Dort, wo wir dem dunkelsten Schatten begegnen und den Mut finden, ihn ganz zu fühlen, entsteht der Raum für das Licht, das aus unserem Inneren erwächst. Und vielleicht offenbart die dunkle Nacht der Seele ihre größte Wahrheit genau dort, wo der Mensch sich selbst verloren glaubt.

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„Die dunkle Nacht der Seele“
Handgeschöpftes Büttenpapier 21,5 x 21,5 cm,
Fine-Art-Druck auf Canon Pro-300, Bleistift, Tusche-Fineliner, Aquarellstift, Acrylfarbe, Blattgold