Eine Geschichte vom Aufstieg V/VIII

„Schatten – Klarheit im Dunkel“

Der Weg führt in die Tiefe. Der Boden wird kühl unter meinen Füßen, schwarzer Stein trägt mein Gewicht, fest und unbeirrbar. Mit jedem Schritt verdichtet sich Wahrnehmung, und der Schatten steigt aus der Tiefe empor, dicht und gesammelt. Er legt sich um mich wie eine Rüstung, klärend und ordnend. Der Schatten zeigt sich als notwendige Struktur, als Raum, in dem sich Bewusstsein schärft und Wahrheit offenbart.

In diesem Dunkel tritt eine Gestalt hervor, klar gezeichnet, wach und gegenwärtig. Lilithra, Königin der Schattenwelt, steht vor mir als Spiegel meines Lichtes. Ihr Blick durchdringt Schichten von Vorstellung und Illusion und zeigt, was trägt und was Verheißung blieb. In ihrer Gegenwart schärft sich Unterscheidungskraft. Sie führt mich an die Ränder meines Bewusstseins, dorthin, wo Stimmen locken und alte Muster ihre Wirkung entfalten. Alles darf sichtbar werden.

In mir brennt ein blaues Licht, ruhig und tragfähig, geboren aus dem Innersten. Diese Flamme hält den Raum in Klarheit und schenkt dem Dunkel Gestalt. Sie beleuchtet, was auftaucht, und lässt es sich zeigen. Wahrnehmung weitet sich Schritt für Schritt, wird klar, tief und ehrlich. Die Erkenntnis formt sich: Klarheit entsteht aus bewusster Durchdringung dessen, was ist. Der Schatten erfüllt seinen Dienst, indem er sichtbar macht.

Am Rand dieses dunklen Feldes pulsiert Wärme. Ein Durchgang öffnet sich. Der Schatten zieht sich zurück wie ein Mantel, der seinen Zweck erfüllt hat. Lilithra neigt den Kopf, als erkenne sie die Bereitschaft, den eigenen Grund zu betreten. Der Weg führt weiter dorthin, wo alles gesammelt wird, wo Empfinden, Erfahrung und Bewusstsein sich begegnen. Der Schatten weist mir den Weg in meine Herzkammer.

„Eine Geschichte vom Aufstieg V/VIII“
Handgeschöpftes Büttenpapier 21,5 x 21,5 cm,
Bleistift, Tusche-Fineliner, Aquarellstift, Blattgold