Eine Geschichte vom Aufstieg I/VIII

Ruf – Erinnerung an die innere Ordnung.
Der Weg beginnt mit dem Innehalten. In Ritual, Atem und Klang richtet sich etwas in mir neu aus und tritt in Resonanz mit Raum, Zeit und Natur. Ich setze mich auf meinen Schemel, entzünde die Kerzen, und der Dachboden füllt sich mit dem langsamen Atem des Räucherwerks. Kälte steht sichtbar im Raum, während Wärme aus dem Inneren aufsteigt, als erinnerte sich der Körper an sein eigenes Feuer. Mit dem Schlag der Klangschale breitet sich der Ton aus, berührt Balken, Staub und Zeit und findet in mir jene Linie, die Himmel und Erde verbindet. Das Om hebt sich aus der Brust, schwingt nach, ruhig und vertraut, und öffnet einen Raum.

Der Winter streicht über den Hang. Das Haus lehnt sich an den Berg wie an eine alte Schulter. Das Gebälk knarrt und erzählt von Nächten, in denen Menschen hier saßen und dasselbe suchten: einen Sinn, der erfahren werden möchte. Ich folge dem Atem, und der Berg tritt in mein Bewusstsein, mächtig in seiner Stille, getragen von Weite. Innen und Außen gleichen sich an. Berg, Atem und Herz werden zu einem gemeinsamen Feld. Etwas richtet sich aus und findet seine ursprüngliche Ordnung.

Ich gehe hinaus. Das Feld liegt offen, der Himmel weit. Ein Odem fließt durch den Berg, hinab ins Tal, bis er mich erreicht. In diesem Strom erkenne ich mein Herz. Sehen geschieht jenseits der Augen. Ein Druck sammelt sich im Rücken, wie das Öffnen eines schmalen Kanals, und ich gleite in ein Empfinden aus Vertrauen. Sternenstaub, Berg und Weg finden in mir zusammen. Der Ruf geschieht als Einladung, mich dem Strom anzuvertrauen. Mit diesem Einverständnis beginnt der Aufstieg.

„Eine Geschichte vom Aufstieg I/VIII“
Handgeschöpftes Büttenpapier 21,5 x 21,5 cm,
Bleistift, Tusche-Fineliner, Aquarellstift, Blattgold